Das Pixel ist eingebaut, es feuert, im Events Manager stehen Zahlen. Und trotzdem lässt sich aus diesen Zahlen keine Entscheidung über Budget ableiten.
Was ein Pixel tatsächlich tut
Ein Pixel ist ein Stück JavaScript, das im Browser des Besuchers ausgeführt wird und Meldungen an eine Plattform schickt. Standardmäßig meldet es einen Seitenaufruf. Alles darüber hinaus – eine abgeschickte Anfrage, ein geöffnetes Exposé, ein Anruf – muss ausdrücklich eingerichtet werden, sonst existiert es in den Daten nicht.
Damit ist die häufigste Lücke schon benannt: Ein eingebautes Pixel ohne definierte Ereignisse misst Besuche. Es misst keine Geschäftsvorgänge. Der Algorithmus, der die Anzeigenauslieferung steuert, optimiert dann auf Besuche – also auf Menschen, die eine Seite öffnen, nicht auf Menschen, die anfragen. Das ist kein Fehler des Systems, es ist genau das, was man ihm gesagt hat.
Die vier Bausteine, die fehlen
Ereignisse, die Geschäftsvorgänge abbilden
Ein Ereignis ist erst dann brauchbar, wenn es einer Handlung entspricht, die im Unternehmen tatsächlich etwas bedeutet. „Formular abgeschickt“ ist so eine Handlung. „Auf Kontakt geklickt“ ist es nicht – dazwischen liegt der Großteil der Abbrüche.
Wichtig ist außerdem, wann das Ereignis ausgelöst wird. Wir lösen Anfrage-Ereignisse grundsätzlich erst nach bestätigtem Versand aus, nicht beim Klick auf den Absenden-Knopf. Sonst zählt die Messung auch das, was am Server gescheitert ist – und die Kampagnenoptimierung lernt auf Vorgänge, die nie beim Vertrieb ankamen.
Ein Einwilligungszustand, der wirklich durchgereicht wird
In der EU läuft Messung nur innerhalb der Einwilligung. Das ist keine Randbedingung, sondern der bestimmende Faktor für die Datenmenge. Entscheidend ist dabei weniger, ob ein Banner vorhanden ist, sondern ob der gewählte Zustand technisch bei jedem einzelnen Tag ankommt, ob er vor dem ersten Ereignis gesetzt wird und ob ein Widerruf tatsächlich greift. Ein Banner, das die Auswahl speichert, sie aber nicht an die Messwerkzeuge weitergibt, erzeugt genau den Zustand, den niemand will: rechtlich angreifbar und gleichzeitig unvollständig gemessen.
Eine Ereigniskennung für die Zusammenführung
Sobald derselbe Vorgang zusätzlich serverseitig gemeldet wird, braucht es eine gemeinsame Kennung, damit die Plattform beide Meldungen als einen Vorgang erkennt. Fehlt sie, wird doppelt gezählt – und jede Aussage über Kosten pro Anfrage ist um den Faktor zwei daneben.
Eine Rückmeldung aus dem Vertrieb
Das Pixel weiß, dass eine Anfrage entstanden ist. Es weiß nicht, ob sie brauchbar war. Ohne diese Rückmeldung optimiert die Kampagne auf Anfragemenge, und Anfragemenge lässt sich beliebig steigern, indem man die Hürde senkt. Wer schon einmal 200 unbrauchbare Anfragen in einem Monat bearbeitet hat, kennt den Preis dieser Kennzahl.
Die typischen Befunde
Wenn wir ein bestehendes Setup übernehmen, finden wir fast immer dieselben Dinge:
- Der Basiscode ist mehrfach eingebunden, oft weil er sowohl im Theme als auch im Tag-Manager steht. Ergebnis: doppelte Seitenaufrufe.
- Ereignisse werden beim Klick ausgelöst statt nach bestätigtem Erfolg.
- Ein Anfrage-Ereignis feuert auch dann, wenn die Übermittlung fehlgeschlagen ist.
- Der Einwilligungszustand wird gesetzt, aber nicht an alle Tags weitergereicht.
- Testereignisse aus der Einrichtungsphase laufen in den Produktivdaten mit.
Keiner dieser Punkte ist dramatisch für sich. Zusammen führen sie dazu, dass die Zahl im Dashboard nichts mit dem Geschäft zu tun hat – und dass jede Optimierung, die auf ihr aufbaut, in die falsche Richtung läuft.
Der pragmatische Weg
Die Reihenfolge ist immer dieselbe. Erst festlegen, welche Handlungen im Unternehmen als Erfolg zählen. Dann prüfen, ob diese Handlungen technisch überhaupt erfassbar sind, und die Ereignisse entsprechend benennen. Dann die Einwilligung sauber durchreichen. Dann eine Ereigniskennung setzen, wenn serverseitig gemeldet wird. Und erst danach über zusätzliche Kanäle nachdenken.
Ein Setup mit drei sauber definierten Ereignissen schlägt eines mit zwanzig, von denen niemand mehr weiß, was sie bedeuten.